Haiti – ein Jahr nach der Katastrophe

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unseres Vereins!
Am 12. Januar 2010, also genau vor einem Jahr, bebte um 16.53 Uhr die Erde rund um Port au Prince für insgesamt 43 Sekunden. Die Folgen dieses Erdbebens kommen einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes gleich: Bis zu 300.000 Menschen kamen ums Leben; 300.000 weitere Personen wurden zum Teil schwerverletzt und über 1,2 Millionen verloren ihr Obdach und leben noch heute in den zahllosen Notlagern. Insgesamt sind über 3 Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen. Die UNO spricht von der schlimmsten Katastrophe, mit der die Vereinten Nationen jemals zu tun hatten.
Die Lage vor Ort bessert sich nur sehr langsam und es wird sicherlich noch Jahre dauern, bis auch nur etwas „Normalität“ einkehrt. Wobei die Normalität für die meisten Haitianer von permanenter Mangelversorgung, Hunger und fehlendem sauberen Wasser geprägt ist!
In den letzten Monaten kamen aufgrund der desolaten Versorgungs- und Gesundheitslage auch noch eine Choleraepedemie, mit mittlerweile 4.000 Toten und mindestens 400.000 Infizierte, hinzu. Auch wurden bisher nur ca. 10 % der Trümmer abgeräumt, unter den übrigen Betonstücken liegen noch tausende Skelette. Zum Jahrestag werden nun wieder einige Bilder aus Haiti in den Medien zu sehen sein, bei dem auf die schlechte Versorgungslage, auf das Versagen der Haitianischen Regierung und auch auf zugesagten Hilfsgelder, die leider von vielen Ländern immer noch nicht bereitgestellt wurden, eingegangen wird. Aber nach dem Jahrestag wird vieles schnell vergessen sein. Erschwerend kommt hinzu, dass zwar ca. 12.000 Hilfsorganisationen in Haiti irgendwie vor Ort tätig sind, aber mit ihren meist sehr jungen und oft unerfahrenen Mitarbeitern, eher zur Verstärkung der Probleme als zu ihrer Lösung beitragen (so bezeichnete Michael Kühn von der Welthungerhilfe dieses Problem).
Unser kleiner Verein „Fok Sa Change – Partnerschaft mit Haiti“ gegründet 2001 mit Sitz in Rosenheim konnte im Jahr über 25.000 Euro an Spendengelder sammeln. Die bisher gesammelten Spendengelder wurden alle direkt an unsere Partnerorganisationen vor Ort verteilt und werden für haitianische Projekte verwendet. Hierbei konnten wir neben einer Soforthilfe für das Kinderkrankenhaus St. Damien, auch die Organisation „MenKontre“, die sich auch nach über einem Jahr noch um die medizinische Versorgung für die in diversen Notlagern lebenden Haitianer kümmert, unterstützten.
Desweiteren wurden die Spendengelder für die Instandsetzung der Schule in Saut D’Eau und direkt für einzelne Projekte unserer Partnerorganisation FDDPH („Für die Rechte der haitianischen Landbevölkerung“) eingesetzt.
Auf diesem Weg möchten wir uns bei allen Spenderinnen und Spendern für ihre finanzielle Unterstützung recht herzlich bedanken.

Leider musste unser Verein im letzten Jahr auch um einen außergewöhnlichen Menschen, eine Freundin und Mentorin trauern. Am 24. April 2010 wurde die fünfzigjährige haitianische Ordensschwester Dadoue Elane Printemps bei einem Einsatz in dem Armenviertel Cité Soleil Opfer eines Raubüberfalls und getötet. Sie hatte ihr Leben in den Dienst der Armen und Notleidenden gestellt. Unser Verein hat die letzten Jahren immer wieder eng mit Dadoue und ihrer Hilfsorganisation FDDPH („Für die Rechte der haitianischen Landbevölkerung“) zusammengearbeitet und einzelne Projekte unterstützt. Auch nach dem Erdbeben war sie für uns die erste Anlaufstelle. Dadoue Elane Printemps wird uns unvergessen bleiben. Sie sagte einmal: „Ich werde nicht still sein und alles hinnehmen, auch wenn man mich umbringen will – sollte ich nicht mehr da sein, gibt es andere, die weitermachen!“
Und sie behält Recht: Wir Anderen werden auch ohne sie weitermachen – und dabei oft an Dadoue zurückdenken. In diesem Sinne, würden wir uns über weitere Unterstützung freuen!

Die aktuelle Situation in Haiti

Haiti, einst als die Perle der Antillen bekannt ist heute eines der ärmsten Länder der Erde. In großen Teilen des Landes sind nackter Fels, Steine und verbrannter Boden an die Stelle von Urwäldern und fruchtbarer Erde getreten.
Haiti ist ein Land voller Gegensätze. Die Kluft zwischen Arm und Reich – vor allem in der ländlichen Region – ist immens. Viele Menschen leben mit weniger als 1 Euro am Tag.
Die Bauern sind Subsistenzbauern, d. h. sie produzieren nur für den eigenen Gebrauch, sie leben von der Hand in den Mund. Deshalb fehlt ihnen das nötige Geld für die Modernsierung veralteter Anbaumethoden. Erosion, niedrige Erträge und unsichere Besitzverhältnisse hemmen die Entwicklung im ländlichen Raum zusätzlich.
Um überhaupt über die Runden zu kommen, leben die Menschen in Großfamilien, jedes Mitglied muss zum Familieneinkommen beitragen. Daher gehen viele Kinder nicht in die Schule. Zudem fehlt das Geld für die Schulgebühren.
60 % der Menschen sind Analphabeten.